Presse

DIE GROSSE FREIHEIT AUF DER TROMM GENIESSEN

Veröffentlicht am 4. Juli 2020 von Thomas Wilken

 

 

 

 

Die Malerei hatte es Ingrid Scholz schon als Jugendliche angetan. So blieb es bis heute, „außer“ dass für die Künstlerin die Arbeit an Skulpturen dazukam. Früher, in ihrer Bremer Heimat, radelte sie oft nach Worpswede zur dortigen Künstlerkolonie. „Die hat mich sehr inspiriert und interessiert“, erzählt sie. Paula Modersohn-Becker war ein großes Vorbild. Heute, auf der Tromm, bezeichnet sie es „als großes Glück“, hier zu leben.

Anfang August gibt es normalerweise in jedem Sommer auf der Tromm ein großes Bergfest, „an dem ich mich auch beteiligt habe“, erklärt Scholz. Das fällt in diesem Jahr wegen Corona aus. „Aber auch ohne diesen jährlichen Fixpunkt arbeite ich an mehreren Kunstprojekten“, so die Künstlerin. Deshalb empfindet sie aktuell „nicht das Gefühl, eingeschränkt zu sein“.

Sicherlich am eindrucksvollsten ist von ihren aktuellen Arbeiten die sechs Meter hohe Bikerskulptur. Für sie wurde zuerst ein kleines Modell gefertigt. Denn bei sechs Metern, „muss man sich im Klaren sein, was man wie gestaltet“, schmunzelt die Künstlerin. Am langen Stahlrohr werden – wie bei einer Pusteblume – im oberen Teil der Stange ringsherum kleine Stahlstangen angeschweißt, an deren Enden sich Räder drehen sollen, erklärt Ingrid Scholz den Aufbau.

„Ich experimentiere noch etwas mit dem Material, das zwischen die Speichen geklemmt wird, damit sich die Räder dann im Wind drehen können“, schildert sie weiter. Bei der Arbeit entdeckt sie immer wieder etwas Neues: Speiche, Rad oder Kugellager. Wenn das Werk fertig ist, wird es auf der Skulpturenwiese der Tromm installiert. Der Stein dafür liegt schon bereit.

Aus einem Projekt, das sie vor einigen Jahren in Breuberg realisierte, gibt es noch Aluminiumplatten, erläutert die Wahl-Odenwälderin weiter. Die sind unterschiedlich lang und zu einem U gebogen. In Breuberg wurde daraus eine Art Himmelstürmer. „Im Moment versuche ich noch einen guten Ausgleich zwischen Breite und Höhe der Skulptur zu finden“, erklärt sie. Die Künstlerin überlegt, ob sie die offene Seite mit anderem Metall schließt oder nur mit Strukturen versieht.

Malend verbringt sie viel Zeit vor einem Bild, dessen Vorbild bei Bürgermeister Dr. Sascha Weber im Büro hängt. Es ist abstraktes Werk mit dem Titel „Wald-Michelbach“. Scholz bezeichnet es als sehr optimistisch. „Es reizt mich, einen neuen Rhythmus in der Verbindung von Sonne, Bach und Wald zu realisieren“, schildert sie den Ansatz. Wenn die Schulen wieder geöffnet sind, wird sie an der Grundschule in Unter-Schönmattenwaag fünf Holztürme aufstellen und mit den Kindern neu gestalten.

Dazu kommen noch drei Aufträge. Einmal geht es um die Darstellung von Familie, also Vater, Mutter und Kind. Dafür bekam sie von einem Hammelbacher sehr alte Eichenbalken. „Die liegen nun in unserem Carport“, lacht sie, und werden Eingang in die Skulptur finden. Holz als Material „ist auf der Tromm eigentlich ein Problem“, meint sie. Aber Eichenbalken dieses Alters werden lange halten, denkt Scholz. „Ich verbinde sie auch mit Edelstahl und verknüpfe so alte Materialien mit neuen.“

Zwei ihrer weiteren Aufträge hängen miteinander zusammen. Es geht um Metallskulpturen, die auf einem abgesägten Baumstamm einen Blickfang in einem großen Garten bilden sollen. In einem Fall steht das Konzept fest, erzählt sie: Zwei große Äste, die von dem Stamm links und rechts abgehen, wurden nicht abgesägt und ragen nun aus ihm hervor.

Zwischen ihnen wird ein großer Fisch aus Edelstahlstangen und Aluminiumplatten befestigt – ein Verweis auf den großen Fischteich, der zum Garten gehört. „Wenn diese Skulptur steht, so werden wir sehen, was auf den zweiten Stamm kommt“, lässt sich die Gestalterin überraschen. Denn es soll ja zu diesem Fisch und zum Garten insgesamt passen. In der Natur „fallen mir tolle Sachen ein“, erzählt Ingrid Scholz. Sie liebt es, mit Edelstahl zu arbeiten. Ihr gefällt die Spiegelung in der Metallplatte.

„ich kann die Dinge in Ruhe gestalten und mir Zeit lassen“, gewinnt die Künstlerin der Corona-Entschleunigung auch etwas Gutes ab. Sie hat dann die Muse, sich richtig auf etwas einzulassen und kann dem Werk mehr Konzentration gönnen. „Warum in die Ferne schweifen, wenn es sich auf der Tromm gut leben lässt“, ist ihre Maxime. Es zieht sie nicht in die Großstadt. Scholz schätzt das Arbeiten auf dem Höhenzug. Schöner könnte es nicht sein, meint sie. Eben die „große Freiheit Tromm“ abseits der Zwänge und des Trubels.

Ingrid Scholz stammt aus Bremen und studierte dort an der Kunsthochschule Design. 1974 zog sie mit ihrem Mann Gerold und zwei Kindern in den Odenwald nach Zotzenbach. Scholz studierte dann noch einmal, Kunst und Polytechnik in Kassel. Sie wurde aber nicht Lehrerin, profitiert aber vom zusätzlichen Studium in ihrer Kunst und durch den erlernten Umgang mit Maschinen.

1984 ergab sich die Möglichkeit, ein altes Haus mit einem großen Garten und einer Wiese auf der Wald-Michelbacher Seite der Tromm zu kaufen. Das war die Voraussetzung dafür, sich auf Malerei und vor allem auf Skulpturen konzentrieren zu können. Seitdem lebt Ingrid Scholz hier, führt die Galerie „artstract“ und beteiligt sich am Kunstgeschehen in der Region.

Scholz malte mit Kindern und Jugendlichen im Lernmobil in Viernheim Züge an, beteiligte sich an mehreren Kunstwanderwegen, initiierte mit ihrem Mann den Bau eines Spielortes auf der Tromm, beteiligte sich an verschiedenen Bergfesten sowie hat ihre Wiese und ihren Garten zu einem Skulpturenpark ausgebaut.

Bei schönem Wetter kommen viele Leute auf die Tromm, um die herrliche Natur zu erleben und zu genießen, weiß sie. Ingrid Scholz öffnet gern tageweise ihr Atelier und ihren Garten für kleine Gruppen. Sie bittet aber um Anmeldung unter E-Mail artstract985@gmail.com oder telefonisch unter 06207/6560.

 


„Wald-Michelbach in 16 Teilen“ als Aktion von Ingrid Scholz beim Atelierfest auf der Tromm


Veröffentlicht am 10. August 2018 von Thomas Wilken

   


Egal wo die Besucher herkommen, wo sie leben, was sie vorher gemacht haben: Über die Kunst finden sie zusammen. 16 Teile hat das Bild „Wald-Michelbach“ von Ingrid Scholz. Sie verstreuten sich beim Atelierfest durch den Einzelverkauf in ganz unterschiedliche Ecken der Gemarkung und darüber hinaus. „Heimat ist kein bestimmter Ort“, meint deshalb die Künstlerin, die an diesem Tag des Trommer Bergfestes ihre Galerie für die Gäste öffnete. Sie sieht einen sozialen Zusammenhang zwischen den Menschen, die an einem Ort gemeinsam leben. Die Geografie tritt in den Hintergrund.


„Was passt als Bild ins Büro des Bürgermeisters“, fragte sich Ingrid Scholz zu Beginn ihrer Arbeit an diesem Werk. Die Antwort war für sie einfach: „Wald-Michelbach.“ Wer die Künstlerin kennt, weiß, dass dies natürlich nicht ein naturnahes Aquarell sein würde. Sie orientierte sich an David Hockney, ging aber weg von den konkreteren Waldbildern hin zum Abstrakten unter dem Einsatz hellerer Farben. Bach, Bäume, eine strahlende Sonne über dem Ort: Fertig war der malerische Dreiklang, den Scholz auf 16 Puzzle-Leinwandteilen unterbrachte.


Die sind anders als beim Original angeordnet, das in Dr. Sascha Webers Büro im Wald-Michelbacher Rathaus hängt. Dort findet sich an der anderen Wand auch das Pendant-Bild „In Bewegung“. Mit fließenden Farben verkörpert es sinnbildlich den Neuanfang, seit Weber im vergangenen Jahr den Posten übernahm. Seine Arbeitsräume hätten durch die verwendeten Farben eine „helle, fröhliche Stimmung“, so der Bürgermeister. „Ich gehe gern ins Büro.“


Die Besucher waren aufgefordert, aus dem vorherigen Puzzle wieder das Ursprungsmotiv zusammenzusetzen. Scholz sprach von einer „interessanten Aufteilung“, wenn jeder ein Teil des Werkes kaufe. Denn jede der 16 einzelnen Leinwände gab es zu erwerben. Der Malerin ging es darum, die Gäste in Aktion zu versetzen, damit sie sich mit dem Bild auseinandersetzen können. Wer ein Stück davon mit nach Hause nehme, „wird sich an das Ganze erinnern“, hoffte sie. Zum Zusammenfügen könne man sich über Grenzen hinweg virtuell auf der Tromm wiedertreffen, regte sie an.


Die auf der Tromm beheimatete Künstlerin öffnete beim Bergfest aufs Neue ihr Atelier und gewährte einen Einblick in ihr vielfältiges Schaffen. Gleichzeitig gab es die Kunst-Mitmach-Aktion, bei der jede/r Interessierte seine eigenen kreativen Fähigkeiten testen konnte. Scholz setzt in ihren künstlerischen Werken das um, was ihr im täglichen Leben begegnet.


Aktuell ist das mit „Blutmond“ die totale Mondfinsternis mit ihren besonderen Farben, die Scholz inspirierte. Die Rottöne mit dem leicht orange-gelben Rand faszinierten sie. „Das war äußerst spannend“, sagte sie. Zwei Skulpturen unter dem Titel „Dreiklang“ und eine Blitzkugel entstanden ebenfalls in der vergangenen Zeit. „Was mich bewegt, versuche ich umzusetzen“, verdeutlicht Ingrid Scholz. Ihre Ideen sind direkt aus dem Leben gegriffen.


Eine andere Aktion, die vor drei Jahren im späten Frühjahr startete und dann auch im Rahmen des Trommer Bergfestes lief, ist im Internet auf http://www.beziehungswand.de zu sehen. Ingrid Scholz wollte mit ihrer Beziehungswand quasi ein „Museum in der freien Natur“ schaffen, in das sich alle einbringen könnten, wie sie erläuterte. Im Museum gebe es viele aufgehängte Dinge, diesen Ansatz verfolgte sie auch hier. Das, was den Weg an die Beziehungswand fand, hing dort so lange, wie es die Natur zuließ.


Auf der Wiese soll die neu gestaltete Skulptur „Himmelsstürmer“ einen Platz finden. Sie verwendet dafür Aluminium. „Dadurch wirkt alles viel leichter“, sagt Scholz. Wenn das Material bearbeitet wird, „geht die Starre raus“, erläutert die Künstlerin. Es ergebe sich eine Wellenbewegung durch die Struktur. Im Zuge des Irene-Turm-Neubaus und der Tromm-Spielort-Verwirklichung „fügt sich das dann ein“, so ihre Vorstellung.



https://ueberwaelder.wordpress.com/2018/08/10/wald-michelbach-in-16-teilen-als-aktion-von-ingrid-scholz-beim-atelierfest-auf-der-tromm/